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Manuel Altenkirch: Situative Erinnerungskultur

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„Die Encyclopédie war eine Grube in welche diese elenden Lumpensammler alles durcheinander hineinwarfen – Unverdautes, Gutes, Schlechtes, Abscheuliches, Wahres, Falsches, Ungewisses und das alles ebenso wirr wie unzusammenhängend.“1

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Einleitung

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Liest man diese Worte, so hat man den Eindruck, gängige Beurteilungen der Online-Enzyklopädie Wikipedia zu lesen. Jedoch stammen sie von Denis Diderot, der als Herausgeber der wohl bekanntesten frühen Enzyklopädie, der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Er schildert mit diesen Worten seine Eindrücke vom Enstehungszusammenhang der Inhalte der Encyclopédie und verheimlicht nicht, wie er manchen Kollegen beurteilt! Dabei kann man die Bedeutung der Encyclopédie als bahnbrechenden Versuch, das Wissen der Zeit zu sammeln und in einem Werk zu veröffentlichen, nicht hoch genug einschätzen. Liest man Diderots Artikel zum Begriff Enzyklopädie, wird dies noch deutlicher. Er beschreibt darin die Bedeutung der Sammlung von Erkenntnissen, damit „die Arbeit der vergangenen Jahrhunderte nicht nutzlos für die kommenden Jahrhunderte gewesen sei“.2

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Ein, zumindest in der Zielsetzung, ähnliches Projekt stellt die Online-Enzyklopädie Wikipedia dar. Auch ihr Ziel ist es, das Wissen der Menschheit zu sammeln – „Auch deins“, wie der Imperativ der Wikipedia-Autoren lautet.3

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Eben jene Autoren stellen dann auch einen wesentlichen Unterschied zur Encyclopédie dar. Während beim frühneuzeitlichen Projekt die jeweiligen Fachexperten ihrer Zeit für die inhaltliche Ausgestaltung der Artikel verantwortlich waren, so sind es in der Wikipedia prinzipiell alle Menschen, die sich beteiligen möchten. Die Online-Enzyklopädie steht durchgängig für die Mitarbeit aller interessierten Personen offen. Jeder Nutzer des WorldWideWeb kann, darf und soll an den Inhalten Mitwirken.4 Wer aber steht nun hinter den Artikelinhalten?

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„Schon der bloße Gedanke ist skurril und gruselig, daß Tantralehrer, Chemiker, Elekroniker, Bauingenieure, Kindergärtnerinnen und Friseure zusammenhocken, um auf Basis von Vermutungen, Bauchgefühl und Hörensagen darüber zu befinden, was an Rommels Biographie wichtig ist und was nicht.“5

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Der hier zitierte Autor der Wikipedia charakterisiert so den Entstehungszusammenhang einer Passage aus dem Artikel zu Erwin Rommel.6 In gewisser Weise greift er hier die Beurteilung Diderots der an der Enzyklopädie Mitwirkenden auf. Jedoch geht dieser Autor noch einen Schritt weiter und bezweifelt die fachliche Kompetenz der am Artikel beteiligten Akteure. Aus diesem Zitat lässt sich eine, im Hinblick auf die Beschäftigung mit der Wikipedia aus geschichtsdidaktischer Perspektive, wichtige Frage ableiten: Wie wird Geschichte eigentlich in der Wikipedia gemacht? Welchen Einfluss haben eben jene Tantralehrer, Chemiker und Elektroniker auf die Konstruktion der Inhalte. Oder etwas konkreter: Wie wird Geschichte in der Wikipedia konstruiert?7

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Die Beurteilung eines Ereignisses, einer Person, etc. – die Historizität – ist in hohem Maße von dem Blickwinkel der erzählenden Person abhängig. Geschichte ist die „deutende Darstellung der Vergangenheit im kulturellen Orientierungsrahmen der Gegenwart“.8

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Teil dieses kulturellen Orientierungsrahmens stellt auch das World Wide Web dar, das sich als fester Bestandteil mehr als nur etabliert hat. In zunehmendem Maße prägen Formen der virtuellen Kommunikation, Textproduktion und Diskussion die Art und Weise, wie wir Geschichte wahrnehmen und Ereignisse, Personen oder Orte erinnern. Das WorldWideWeb ist längst ein fester Bestandteil der Erinnerungskultur. Erinnerungskultur ist als formaler Oberbegriff „für alle denkbaren Formen der bewussten Erinnerung an historische Ereignisse, Persönlichkeiten und Prozesse zu verstehen, seien sie ästhetischer, politischer oder kognitiver Natur.“9 Diese Definition ist sehr weit gefasst und beinhaltet in diesem Sinne auch Formen der Erinnerungskultur im virtuellen Medium und damit auch in der Wikipedia. Im Rahmen des hier vorgestellten Dissertationsvorhabens soll daher untersucht werden, ob diese Erinnerungskultur unter den Bedingungen des digitalen Wandels unter anderen Voraussetzungen und damit unter anderen Bedingungen als in der „analogen“ Welt funktioniert. Es wird davon ausgegangen, dass Erinnerung im digitalen Medium flüchtig ist. Inhalte verlieren ihre statische Form und wandeln sich hin zu fluiden Erzählungen, die an gegebene Bedingungen flexibel angepasst werden können, vergleichbar mit dem Konzept der Oral History.10 Dies kann als eine durch das digitale Medium geprägte, andere Form der Historizität gesehen werden. Genau diese Flexibilität der offenen Inhalte findet sich exemplarisch in der Darstellung von Geschichte in der Wikipedia. Jeder Artikel kann (und soll) jederzeit veränderbar sein und sich so flexibel an neue Erkenntnisse und Sichtweisen anpassen. Geschichte zeigt sich in der Wikipedia gleichermaßen als statischer Text, der in der aktuellen Artikelversion eingesehen werden kann und als flexible Konstruktion, die sich in der ausdifferenzierten Artikelentwicklungshistorie auswerten lässt.

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Konstruktionsprozesse von Geschichte in der Wikipedia

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In dem hier vorgestellten Untersuchungsvorhaben geht es darum, Konstruktionsprozesse von Geschichte in der Wikipedia als Teil der Erinnerungskultur in einem virtuellen Medium zu analysieren, zu systematisieren und im Idealfall zu generalisieren. Hierfür soll das Konzept der situativen Erinnerungskultur, das bereits bestehende Theorien integrativ verknüpft, entwickelt werden. Aus geschichtsdidaktischer Perspektive ist dieser Ansatz vor allem hinsichtlich der Anschlussmöglichkeiten im Hinblick auf die Ausdifferenzierung einer spezifischen historischen Medienkompetenz sinnvoll. Die Prozesse, die zur Ausgestaltung der historischen Narration in der Wikipedia führen, zu verstehen, bedeutet, Möglichkeiten der De-Konstruktion dieser Narrationen zu ermöglichen, was im Hinblick auf einen kompetenzorientierten Geschichtsunterricht vielfach gefordert wird.11

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Die Wikipedia ist, nicht nur für Schülerinnen und Schüler, eine bedeutende Instanz, wenn es um die Recherche nach historischen Informationen geht. Viele Recherchen mit Suchmaschinen führen einen entsprechenden Wikipedia-Beitrag auf den oberen Rangplätzen der Trefferlisten auf.12 Gerade deshalb lohnt sich die Wikipedia als Untersuchungsgegenstand.

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Hinzu kommen die Möglichkeiten, wie mit, bzw. über die Wikipedia Geschichte vermittelt werden kann. Durch die hier vorgestellte Untersuchung werden die Konstruktionsprozesse von Geschichte in der Wikipedia erforscht, was gleichsam ein Lernen an und über digitale Medien darstellt. Auch Schülerinnen und Schüler können durch das Nachvollziehen der Konstruktionsprozesse etwas an digitalen Medien über den Konstruktcharakter von Geschichte lernen. Die Auseinandersetzung mit den Inhalten der Artikel kann zu einem Lernen mit digitalen Medien führen, wenn eigene Inhalte verfasst oder bestehende Inhalte überarbeitet werden.13

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Eine Auseinandersetzung mit der Online-Enzyklopädie aus geschichtsdidaktischer Perspektive bietet also viele Möglichkeiten, die nur in Ansätzen bisher dargestellt wurden.14

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Gerade die Auseinandersetzung mit den Konstruktionsprozessen erscheint besonders reizvoll, lässt sich hierüber doch viel über das Wesen von Geschichte in der Wikipedia feststellen.

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Situative Erinnerungskultur

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Die Wikipedia zeigt sich als ein Schnittpunkt zwischen privater und kollektiver Erinnerung. Bei der Erstellung von Artikeln müssen beide Ebenen miteinander in Passung gebracht werden, was einen ebenso interessanten Einblick in die Vorstellung von Geschichte der beteiligten Akteure ermöglicht.

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Geschichte muss in der Wikipedia ausgehandelt werden, ein „öffentliches (populäres) Verhandeln von Geschichte im digitalen Raum“15, wie Hiram Kümper in seinen Ausführungen zur Wikipedia im Rahmen der Zweijahrestagung der KGD in Bonn 2009 feststellte.16

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Abb. 1: Abstimmung der Vorstellungen unterschiedlicher Wikipedia-Autoren im Rahmen von kollektiven Vorstellungen

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Genau jener Aushandlungsprozess macht Geschichte in der Wikipedia zu etwas Unabgeschlossenen. Jeder Inhalt kann jederzeit umgeschrieben, erweitert, verändert oder gar gelöscht werden. In diesem Sinne zeigt sich Geschichte in der Online-Enzyklopädie als situativ. Situativ steht hier für die von Jakob Krameritsch entwickelte Ergänzung des Rüsen’schen Modells des historischen Erzählens.17 Krameritsch prägt den Begriff des Situativen Erzählens und sieht darin eine Form, die den veränderten Bedingungen eines Erzählens im virtuellen Medium Rechnung trägt. Er greift das ältere Konzept Rüsens zur Erklärung unterschiedlicher Typen historischer Sinnbildung auf und erweitert dieses um einen Typ. Das Rüsen’sche Konzept, das zunächst vier Idealtypen umfasst, dient als Erklärungsmuster und Typologie für jegliche Form des historischen Erzählens.18 Die Einteilung in vier grundlegende Typen von Kontinuitätsvorstellung hilft dabei narrative Sinnbildung zu charakterisieren, die „in dem historischen Wissen in die kommunikativen Vorgänge der menschlichen Lebenspraxis eingeschrieben […]wird, in denen menschliches Handeln und das Selbstverständnis seiner Subjekte sich an Vorstellungen sinnvoller Zeitverläufe orientiert.“19

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Krameritsch sieht in den von Rüsen postulierten vier Idealtypen die Notwendigkeit der Konstruktion eines weiteren Typs, der sich an den Bedingungen des digitalen Wandels orientiert. Ihm folgend korreliert dieser neue Typ des Erzählens mit einer post- bzw. spätmodernen Identitätskonstruktion, die sich nicht mehr an festen Erzählungen und Identitäten orientiert, sondern vielmehr von liquiden Bezügen geprägt ist. Identität ist gezwungen, sich innerhalb eines Lebenszyklus ständig neu auszurichten und neu zu orientieren; feste Lebensspannen übergreifende Bezugspunkte verlieren immer weiter an Bedeutung. Dies erfordert ein hohes Maß an Flexibilität und setzt eine stete Sinnbildung als dauerhaften Prozess voraus.17

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Daher müssen Erfahrungsraum und Erwartungshorizont „immer wieder neu und situativ“ aufeinander bezogen werden.“21 Exemplarisch sieht Krameritsch diesen Zustand in den digitalen Medien, hier speziell im World Wide Web, gegeben. Die Flüchtigkeit der Erzählungen im digitalen Medium, die „kontextabhängige, situative Kohärenzbildung sowie hybride, flexible und fluide Identitätskonstruktionen“22 als notwendige Kulturtechnik verlangt, lässt sich vor allem in den durch das geflügelte Wort des Web 2.0 bedingten und charakterisierten Formen der Darstellung und Entstehung von Geschichte erkennen. Durch die Eröffnung der prinzipiellen Möglichkeit aller Internetnutzer an der Ausgestaltung von Geschichte in Form von Internetseiten, Blogs, etc., aber eben auch durch die Mitarbeit an Artikeln in der Wikipedia teilzuhaben, entwickelt sich eine transiente Form der Geschichtsschreibung. Geschichte ist potentiell offen für die Editierung durch alle Internetnutzer. Jeder darf seinen Beitrag zur Geschichte leisten. In diesem Sinne kann Geschichte dann um- und neugeschrieben werden. Feste Strukturen existieren nicht mehr.23 Die Darstellung von Geschichte im Internet ermöglicht lose Verknüpfungen von Vergangenheit und Gegenwart, die zunehmend situativ hergestellt werden. Kohärenz herzustellen, also die logische Verknüpfung von Inhalten, Meinungen und Vorstellungen, erscheint in diesem Zusammenhang erschwert zu sein, was die Form des Situativen Erzählens noch begünstigt.24

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Eine Situative Erinnerungskultur zeigt sich als eine an einzelne Situationen angepasste Herstellung von Kohärenz innerhalb des Meinungsspektrums unterschiedlicher Autoren der Wikipedia. Trotz der Auseinandersetzung der am gemeinschaftlichen Verhandlungsprozess beteiligten Akteure bleibt der Inhalt eines Artikels unabgeschlossen und bietet so die Chance situativ an die jeweiligen Bedingungen bzw. Voraussetzungen angepasst zu werden. Neue Ereignisse, Forschungsparadigmenwechsel, aber auch persönliche Meinungen und Einzelinteressen nehmen gleichberechtigt Einfluss auf den Inhalt eines Artikels. Im Zusammenhang mit dem von Krameritsch entwickelten Typ des Situativen Erzählens kann hier eine medial angepasste Form der Erinnerungskultur skizziert werden, die, sowohl die medialen Bedingungen der Wikipedia als auch die theoretischen Bedingungen der Erinnerungskultur berücksichtigt.25

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Untersuchungsebenen

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Die Untersuchung der Konstruktionsprozesse von Geschichte in der Wikipedia soll im Folgenden am Beispiel des Artikels zum Holocaust26 illustriert und verdeutlicht werden. Der Artikel Holocaust wurde gewählt, weil davon auszugehen ist, dass dieses zentrale und bedeutende Ereignis des 20. Jahrhundert, das auf nachhaltige Art und Weise die Erinnerungskultur beeinflusst, auch in der Wikipedia durchaus bedeutsam ist.27 Deshalb ist davon auszugehen, dass sich eine ganze Reihe von Autoren an der Ausdifferenzierung des Inhaltes zu diesem Thema beteiligt. Gleichzeitig gehört der Artikel zu den 500 am häufigsten besuchten Artikeln der Wikipedia, ist also auch für die Nutzer der Online-Enzyklopädie von großer Bedeutung.28

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Der Artikel Holocaust

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Insgesamt wurde der Artikel in 3468 Versionen geändert. Dazu zählen sowohl inhaltliche Änderungen, die Einfluss auf die Aussage des Artikels haben, jedoch auch Korrekturen im Bereich der Rechtschreibung und der Grammatik.

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Diese Änderungen wurden von 1006 Autoren durchgeführt, von denen 728 in der Wikipedia als Autor registriert sind; 278 Autoren haben den Artikel anonym verändert.29

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Ausgestaltung des Inhaltes

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Im Folgenden sollen beispielhaft Artikeländerungen und das Vorgehen beteiligter Akteure diskutiert werden.

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Mit der 20. Änderung30 (28. Februar 2003) nimmt ein unangemeldeter Autor (erkennbar an der IP-Adresse) eine deutliche Änderung an der Aussage des Artikels vor. Er zieht die Zahl der Opfer des Holocaust in Zweifel und stützt sich auf angebliche Unterlagen des „Simon Wiesenthal Zentrums in Hollywood“31. Die Änderung zielt eindeutig auf eine Relativierung der Opferzahl ab und stellt dieser eine alternative Sichtweise entgegen.

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Abb. 2: Ausschnitt Veränderungen am Artikel Holocaust

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In einer zweiten Änderung am Artikel stellt er den Opfern des Holocaust die durch alliierte Bombenangriffe umgekommenen Deutschen entgegen. Auch dies ist als eindeutige Relativierung des Holocaust zu werten.

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Beide Änderungen, sowohl die Infragestellung der Opferzahl des Holocaust, als auch die Gleichsetzung des Holocaust mit der Bombardierung deutscher Städte im Zweiten Weltkrieg, sind typische Muster der Holocaustleugnung. Gegen gesicherte historische Erkenntnisse versucht die IP-Adresse die Aussage des Artikels in seinem Sinne zu verändern und legitimiert dabei seine Änderungen mit Hilfe einer pseudowissenschaftlichen Argumentation.32

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Interessanterweise bleibt diese Änderung 59 Minuten online, ehe der Autor Schewek33 die entsprechenden Passagen löscht und die vorherige Version wieder herstellt. In dieser frühen Phase der Wikipedia ist die lange Zeitspanne bis zur Löschung der Änderung nachvollziehbar, ist doch das heute gängige Prinzip der „Vorsichtung“ von Änderungen durch erfahrene Nutzer noch nicht etabliert.34

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Die IP-Adresse, gibt sich trotz oder gerade wegen der Löschung seiner Änderung nicht geschlagen und postet einen Eintrag auf der Benutzerdiskussion von Schewek:

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„Lieber Herr/Frau Schewek,

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ihre Geschichtskenntnisse scheinen sehr begrenzt zu sein und Sie beziehen Sie offenbar aus der Propagandapresse. Sie koennen mir ruhig glauben, dass die 6 Millionen eine ‚modernisierte Erfindung‘ sind, um mit Herrn Spiegel zu sprechen, nur um Geld zu kassieren. Selbst in Europa gab es keine 6 Millionen. Lassen Sie diese frei erfundene Zahl doch einfach weg.“35

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Bemerkenswert ist, dass diese Diskussion nicht nur im direkten Umfeld des Artikels geführt wird, sondern gleichzeitig auch auf der Nutzerseite der beteiligten Akteure stattfindet. Über ein Thema wird eben nicht nur im direkten Zusammenhang mit dem Artikel diskutiert, sondern auch auf den Diskussionsseiten beteiligter Autoren oder auf sonstigen Diskussionsseiten.

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Ähnliche Beispiele für die direkte Einflussnahme auf den Artikel im Sinne einer Relativierung des Holocaust finden sich vielfach in der Artikelhistorie. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass sich die betreffenden Autoren meist hinter der Anonymität einer IP-Adresse verbergen und nur in den seltensten Fällen einen Nutzer-Account für ihre Änderungen verwenden.36

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Durch die prinzipielle Offenheit der Wikipedia für die Mitwirkung aller Internetnutzer sind auch Artikel zu historisch „brisanten“ Themen vor solchen Änderungen nicht geschützt. Im Verlauf der Artikelentwicklung lassen sich immer wieder Änderungen dieser Art entdecken, die dann jedoch in kürzester Zeit wieder gelöscht werden. Zumindest die registrierten Nutzer scheinen in diesem Zusammenhang eine gewisse Sensibilität zu besitzen.

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Durch die genaue Betrachtung der Veränderungen am Artikel wird auch die Bedeutung der Autoren am Entstehungsprozess des Artikels deutlich. Daher sollen in der hier vorgestellten Untersuchung auch die Autoren und ihre Aktivität in der Wikipedia in den Blick genommen werden, kann so doch ein Einblick in die Art und Weise ihres Vorgehens ermöglicht werden.

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Abb. 3: Anzahl Veränderungen (Edits) pro Nutzer

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Abbildung 3 zeigt die die Anzahl von Edits pro Nutzer am Artikel Holocaust. Deutlich wird hier, dass der weitaus größte Teil der Mitwirkenden am Artikel lediglich nur einmal eine Änderung am Artikel durchführt. Wir haben also eine relativ große Anzahl von Autoren, die sich zwar mit dem Artikel beschäftigen, deren Mitwirkung jedoch punktuell beschränkt bleibt. Dies ist zurückzuführen auf die erinnerungskulturelle Bedeutung des Holocaust als identitätsstiftendes Ereignis, wobei der Wikipedia-Artikel als ein bedeutsamer Teil einer erinnerungskulturellen Auseinandersetzung zu verstehen ist. Das Thema ist von gesellschaftlicher Relevanz und führt so zu einer Mitwirkung vieler Autoren. Nur wenige Autoren wirken jedoch, zumindest was die Anzahl der Editierungen betrifft, in größerem Umfang an der Ausgestaltung des Artikels mit.

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Einer davon ist der Autor Jesusfreund 37. Dieser zählt, trotz der Beendigung seines Engagements in der Wikipedia im März 2011, immer noch zu den 30 je aktivsten Autoren der Wikipedia.38 Er hat in insgesamt 118.397 Beiträgen39 die Wikipedia mitgestaltet. Die Ausdifferenzierung dieser Beiträge zeigt, dass nur knapp die Hälfte seiner Beiträge den Artikelbestand der Wikipedia betrifft. Mit 25 % seiner Änderungen wirkte Jesusfreund an artikelbegleitenden Diskussionen mit.40

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Gerade in diesen Diskussionen wird vielfach die weitere Entwicklung des Artikels diskutiert und mögliche Änderungen oder Erweiterungen vorformuliert, ehe sie in den Artikel übernommen werden.41

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Abb. 4: Aktivität Jesusfreund

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Jesusfreund hat den Artikel Holocaust in 480 Versionen (13,84 %) verändert, erstmalig am 26. Februar 2005. An diesem Tag führt Jesusfreund umfängliche Änderungen am Artikel durch. Bedeutsam ist vor allem die Neustrukturierung des Aufbaus des Artikels.42 Jesusfreund gliedert den bisherigen Artikel komplett neu und fügt wesentliche Bereiche neu hinzu. Vor allem der Abschnitt „Erklärungsansätze“, der sich so noch nicht in den vorherigen Versionen fand, wird von ihm ergänzt. In nahezu jedem Abschnitt des Artikels überarbeitet, ergänzt und strukturiert Jesusfreund die Inhalte und kommentiert seine Tätigkeit über Beiträge in der artikelbegleitenden Diskussion43. Hier stellt er fest, dass die aus seiner Perspektive zu unpräzise Darstellung des Holocaust als singuläres Ereignis einen der Hauptgründe für seine Überarbeitung darstellt. Interessanterweise stellt dies auch den Zugang von Jesusfreund zur Editierung des Artikels zum Holocaust dar. Vor der massiven Änderung des Holocaust-Artikels editiert Jesusfreund den Artikel zum Alten Testament, in dem er genaue jene Singularität dem Begriff Holocaust als Attribut beifügt.44

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Die erste Überarbeitung des Artikels durch Jesusfreund zeichnet sich durch eine klar erkennbare Zielsetzung aus. Der Autor möchte den Artikel besser lesbar machen und ihm wichtig erscheinende Details und Aspekte ergänzen. Bemerkenswert ist, dass Jesusfreund über mehrere Stunden hinweg den Artikel überarbeitet und insgesamt etwas mehr als sieben Stunden an seinen Änderungen feilt. Dies liegt auch an der Tatsache, dass Jesusfreund Inhalte nicht nur neu erstellt, sondern bereits existierende Passagen überarbeitet und im Sinne seiner Gliederung neu anordnet.

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Jesusfreund zeigt sich in seiner Änderung als ein an Kooperation ausgerichteter Autor. Ihm liegt an der Vermittlung seines Standpunktes und an der konstruktiven Zusammenarbeit mit anderen Autoren. So versteckt er in seinen Änderungen an entsprechenden Stellen Aufrufe und Hinweise auf weiterführenden Überarbeitungsbedarf bzw. kleine Erläuterungen zu seinen Änderungen, die den nachfolgenden Autoren eine Hilfestellung sein sollen.45 Hinzu kommt die Dokumentation seiner Arbeit über die artikelbegleitende Diskussion, die er ebenso für Anregungen zu und Erläuterungen von Änderungen nutzt.

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Verweissystem

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Einen nicht unwesentlichen Bestandteil der Untersuchung von Konstruktionsprinzipien von Geschichte in der Wikipedia stellt auch die Analyse der durch das System bedingten Möglichkeiten dar. Ein revolutionärerer Aspekt der Encyclopédie im Vergleich zu vorangegangenen enzyklopädischen Projekten ist die Vernetzung des Wissens über Fachgrenzen und disziplinäre Demarkationslinien hinaus. So ist zwar das Wissen über eine disziplinäre Struktur gegliedert, jedoch wird diese Gliederung durch die alphabetische Grundsystematik der Enzyklopädie und die Vernetzung der einzelnen Artikel untereinander durch direkte Verweise auf andere, themenverwandte Begriffe durchbrochen.

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Ein ähnliches System, nun jedoch durch die technischen Möglichkeiten des Wiki-Systems erweitert, bietet auch die Wikipedia. Die Artikel sind sowohl über eine disziplinäre Struktur gegliedert, als auch über eine alphabetische Sortierung abrufbar. Besonders jedoch ist die Möglichkeit der Gliederung über Kategorien und über interne Verweise auf andere Artikel durch Hyperlinks. Über diese Verweissysteme können unterschiedliche Begriffe miteinander nicht nur physisch, sondern auch inhaltlich verknüpft werden.46

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Abb. 5: Verlinkungsstruktur 

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Jakob Krameritsch hat in seiner Untersuchung zu Hypertextstrukturen am Beispiel von past-perfect.at eindrucksvoll die Möglichkeiten von Verlinkungsstrukturen für die Bildung neuer Narrationen deutlich gemacht.47

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Im Folgenden soll dieses Prinzip auf den untersuchten Artikel übertragen werden. Von dem Artikel Holocaust48 wird auf 407 andere Wikipedia Seiten verlinkt. Gleichzeitig wird von 4027 Artikeln auf den Artikel Holocaust verlinkt.49 Als Beispiel sei der je erste (inhaltliche) Link eines jeden Artikels, ausgehend vom Artikel Holocaust, gewählt:

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So kommt man vom Holocaust, über Völkermord50 zu Konventionen über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes51, zu den Vereinten Nationen52, dann zu einer Auflistung der Mitgliedsstaaten der UN53, schließlich zu einer Definition von Staat54, etc. Die Reihung ließe sich beliebig lange fortführen. 

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Deutlich wird die Bandbreite der mit dem Thema Holocaust mit wenigen Klicks zu erreichenden Artikel. Ein Nutzer dieser Links kreiert einen neuen Zusammenhang zwischen zwei Artikeln bzw. mehrerer Artikeln, indem er den Links folgt. Somit gestaltet der Nutzer über das Anklicken von Links in einem Wikipedia-Artikel, eine eigene Narration, die durch den Hypertext-Autor zumindest mitgeprägt ist. Der Hypertext-Leser generiert zwar über seinen eigenen Weg, den er über die Links in Artikeln einschlägt, eine neue historische Narration, unter den Bedingungen, die jedoch der Hypertext-Autor durch das Setzen von Links geschaffen hat. Hypertexte können als nicht-lineare Organisation von Informationseinheiten verstanden werden, die durch den Einsatz von Hyperlinks strukturiert sind. Nicht linear, weil der Nutzer, bzw. Leser eines Hypertextes über die Links einer Verknüpfung von informationellen Wissenseinheiten selbstständig folgt, ohne dass ihm dabei eine direkt vorgegebenen Richtung angeboten wird.55

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Dabei werden fachliche Grenzen im Sinne eines einheitlichen und mit vorgegebenen Strukturen und Beziehungen definierten Wissensraumes zugunsten eines grenzenlosen und nicht mehr an fachliche Grenzen gebundenen Wissensraumes aufgegeben. Ein geschichtlicher Inhalt kann, sofern dies im Artikel angelegt56 ist, mit prinzipiell allen denkbaren anderen Disziplinen verknüpft werden.

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Ebenenintegrativer Ansatz

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In den bisherigen Ausführungen wurde die komplexe Struktur der Wikipedia deutlich, die eine ebenenübergreifende und -integrative Untersuchung notwendig macht. 

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Abb. 6: Untersuchungsaufbau

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Deshalb baut die Untersuchung auf einem ebenenintegrativen Ansatz auf.57 Im Wesentlichen lassen sich drei unterschiedliche Ebenen unterscheiden. Zunächst die des Inhaltes. Ohne eine Auseinandersetzung mit dem dargestellten Inhalt lässt sich die Untersuchung von Konstruktionsprinzipien nur unvollständig durchführen. Es bedarf eben auch der Analyse des Was. Was genau steht eigentlich in dem zu analysierenden Artikel? Was steht eben auch nicht im Artikel und wie wird dieses was dargestellt? Die zweite Ebene, die es zu berücksichtigen gilt, ist die des Systems. Die Wikipedia kann als Schmelztiegel unterschiedlicher Systeme bzw. von Vorstellungen von Systemen bezeichnet werden. Auf der einen Seite ist eine Vorstellung von Enzyklopädie, dann die von Freiem Wissen und zuletzt eine technischen Vorstellung von der richtigen Nutzung der Wiki-Software zu berücksichtigen. Zu all diesen Bereichen lassen sich in der Wikipedia Informationen finden. Anleitungen, Regularien, Abstimmungen, Diskussionen, eine schier unüberschaubare Anzahl von Informationen, die es hier zu berücksichtigen gilt.58

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Die letzte Ebene stellen die der Autoren dar. Eine große Anzahl freiwilliger Autoren mit unterschiedlichen Vorstellungen gilt es zu untersuchen. Dabei spielt sowohl ihre direkte Tätigkeit in der Wikipedia eine Rolle, aber auch der Blick auf ihre Selbstdarstellung, auf die Art, wie sie agieren und auf ihre Partizipation am System.

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An dieser letzten Eben wird deutlich, dass nur eine verknüpfte Untersuchung aller drei Ebenen ein vielversprechender Ansatz zur Erforschung von Konstruktionsprozessen sein kann.

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Schluss

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Den Konstruktcharakter historischer Narrationen in einem kollaborativen Medium am Beispiel der Wikipedia zu untersuchen, bedeutet, eins der z.Z. wirkungsmächtigsten Angebote des WorldWideWeb in den Fokus geschichtsdidaktischer Forschung zu rücken. Die Bedeutung der Wikipedia als Informationslieferantin, sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Kontext ist bedeutend und die Geschichtsdidaktik als Disziplin muss sich diesem Angebot als Forschungsgegenstand annehmen.

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Die hier vorgestellte Untersuchung richtet sich nicht nur auf die analytische Auseinandersetzung mit Wikipedia-Inhalten, sondern schafft vielmehr einen Zugang, der ein ganzheitliches Bild der Bedingungen des Konstruktionsprozesses von Geschichte in der Wikipedia ermöglicht. Dieser Zugang ermöglicht es, die Untersuchung der Wikipedia als Ausgangspunkt für eine weitergehende Beschäftigung mit digitalen Narrationen zu nutzen und eröffnet der Geschichtsdidaktik einen weiteren Zugang zum Digitalen.

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  1. Denis Diderot: Enzyklopädie. In: Anette Selg/Rainer Wieland (Hrsg.): Die Welt der Encyclopédie. 1.- 20. Tsd. Frankfurt am Main 2001, S. 67–69, hier S. 68.
  2. Ebd.
  3. Vgl. auch Peter Haber: Weltbibliothek oder Diderots Erben? Traditionslinien von Wikipedia 2007, http://www.hist.net/fileadmin/user_upload/redaktion/108006.pdf
  4. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Beteiligen (alle Wikipedia-Seiten wurden letztmalig am 25. Juli 2013 aufgerufen)
  5. http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Erwin_Rommel/Archiv/2. Der Wikipedia-Autor sambalolec (http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Sambalolec)argumentiert mit diesem Zitat im Zusammenhang gegen die Aufnahme einer Liste der Auszeichnungen Erwin Rommels in den entsprechenden Artikel. Die im Hinblick auf Argumentationsstrukturen durchaus lesenswerte Diskussion kann komplett eingesehen werden. Vgl. zur Problematik der Autorenschaft in der Wikipedia auch: Dietmar Bartz: Jugendliche als Wissenswächter, http://www.taz.de/!72301 (aufgerufen am 01.07.2013); Dina Brandt: Postmoderne Wissensorganisation oder: Wie subversiv ist Wikipedia? In: Libreas (2009), H. 14, S. 4–18; Christoph Zotter: Der Experte ist tot, es lebe der Experte: der Einfluss des Internets auf die Wissenskultur am Beispiel Wikipedia. 1. Aufl. Wien 2009.
  6. http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Rommel
  7. Der Inhalt dieses Artikels basiert auf dem noch laufenden Dissertationsvorhabens mit gleichem Arbeitstitel an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Die in diesem Beitrag vorgestellten Ergebnisse sind als Zwischenstand der Untersuchung der Wikipedia zu verstehen. Dementsprechend kann dieser Beitrag nur beispielhaft einige ausgewählte Ergebnisse präsentieren.
  8. Jörn Rüsen: Kann gestern besser werden? Essays zum Bedenken der Geschichte. Berlin 2003 (Kulturwissenschaftliche Interventionen), S. 114.
  9. Christoph Cornelißen: Erinnerungskultur, http://docupedia.de/docupedia/images/6/6e/Erinnerungskulturen.pdf (aufgerufen am 01.07.2013).
  10. Jakob Krameritsch: Die fünf Typen des historischen Erzählens – im Zeitalter digitaler Medien. In: Susanne Popp u.a. (Hrsg.): Zeitgeschichte – Medien – Historische Bildung / Contemporary History – Media – Historical Education 2010, S. 261–281.
  11. Vgl. Waltraud Schreiber u.a.: Historisches Denken. Ein Kompetenz-Strukturmodell. In: Andreas Körber/Waltraud Schreiber/Alexander Schöner (Hrsg.): Kompetenzen historischen Denkens. Ein Strukturmodell als Beitrag zur Kompetenzorientierung in der Geschichtsdidaktik. Neuried 2007, S. 17–53; Waltraud Schreiber: Historische Narrationen de-konstruieren – den Umgang mit Geschichte sichtbar machen: ein neues Aufgabenfeld für forschend-entdeckendes Lernen. In: Wolfgang Hasberg (Hrsg.): Geschichte entdecken. Karl Filser zum 70. Geburtstag. Berlin, Münster 2007, S. 285–311.
  12. Vgl. Nadine Höchstötter: Methoden der Erhebung von Nutzerdaten und ihre Anwendung in der Suchmaschinenforschung. In: Dirk Lewandowski (Hrsg.): Handbuch Internet-Suchmaschinen. Nutzerorientierung in Wissenschaft und Praxis. Heidelberg 2009 (Handbuch Internet-Suchmaschinen, Bd. 1), S. 175–203.
  13. Vgl. hierfür den lesenswerten Artikel von Spahn, König und Bernsen zu Digitaler Geschichtsdidaktik. Die Autoren postulieren ein Lernen an, mit, über und durch Digitale Medien und versuchen durch diese Herangehensweise einen Zugang zu einer „Digitalen Geschichtsdidaktik“ zu ermöglichen. Daniel Bernsen/Alexander König/Thomas Spahn: Medien und historisches Lernen: Eine Verhältnisbestimmung und ein Plädoyer für eine digitale Geschichtsdidaktik. In: Zeitschrift für digitale Geschichtswissenschaft (1), H. 2012.
  14. Bisherige Untersuchungen der Wikipedia aus geschichtswissenschaftlicher und geschichtsdidaktischer Perspektive beschränkten sich meist auf die Beurteilung der Inhalte. Vgl. hierzu: Hiram Kümper: Zeitgeschichte und Wikipedia: von der Wissens(ver)schleuder(ung) zum Forschungsfeld. In: Susanne Popp u.a. (Hrsg.): Zeitgeschichte – Medien – Historische Bildung / Contemporary History – Media – Historical Education 2010, S. 283–297; Roy Rosenzweig: Can History be Open Source? Wikipedia and the Future of the Past. In: The Journal of American History 93 (2006), H. 1, S. 117–146; Peter Haber: Zur Quellenkritik von Wikipedia. Ein Forschungsbericht. Leipzig 2010 (Wikipedia-Ein kritischer Standpunkt); Peter Haber: Digital past. Geschichtswissenschaft im digitalen Zeitalter. München 2011; Peter Haber: Wikipedia. Ein Web 2.0-Projekt, das eine Enzyklopädie sein möchte. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 63 (2012), 5/6, S. 261–270; Peter Haber/Jan Hodel: Wikipedia und die Geschichtswissenschaft. Eine Forschungsskizze. In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 59 (2009), H. 4, S. 455–461.
  15. Vgl. Hiram Kümper: Zeitgeschichte und Wikipedia: von der Wissens(ver)schleuder(ung) zum Forschungsfeld. In: Susanne Popp u.a. (Hrsg.): Zeitgeschichte – Medien – Historische Bildung / Contemporary History – Media – Historical Education 2010, S. 283–297.
  16. Vgl. Abbildung 1: Abstimmung der Vorstellungen unterschiedlicher Wikipedia-Autoren im Rahmen von kollektiven Vorstellungen
  17. Vgl. Krameritsch (Anm. 10).
  18. Jörn Rüsen: Lebendige Geschichte. Formen und Funktionen des historischen Wissens. Göttingen 1989, S. 39ff; auch Jörn Rüsen: Zeit und Sinn. Strategien historischen Denkens. Originalausg. Frankfurt am Main 1990, S. 153ff.
  19. Vgl. Rüsen (Anm. 18), S. 39.
  20. Vgl. Krameritsch (Anm. 10).
  21. Jakob Krameritsch: Die fünf Typen des historischen Erzählens – im Zeitalter digitaler Medien. In: ZF 6 (2009), H. 3., Abschnitt 6.
  22. Vgl. Krameritsch (Anm. 10), S. 271.
  23. Ebd., S. 273f.
  24. Vgl. ebd. und Vgl. Rüsen (Anm. 18).
  25. Vgl. Vgl. Krameritsch (Anm. 21).
  26. Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Holocaustoldid=119881035
  27. Vgl. bspw. Aleida Assmann: Vergangenheit und Zukunft. In: Hanns-Fred Rathenow/Norbert H. Weber/Birgit Wenzel (Hrsg.): Handbuch Nationalsozialismus und Holocaust. Historisch-politisches Lernen in Schule und Lehrerbildung. 1. Aufl. Schwalbach am Taunus 2012 (Reihe Politik und Bildung, Bd. 66), S. 67–78; Bettina Alavi/Susanne Popp: Menschenrechtsbildung – Holocaust Education – Demokratieerziehung. Einführung in den Themenschwerpunkt. In: Zeitschrift für Geschichtsdidaktik 11 (2012), S. 7–10; Hanns-Fred Rathenow/Norbert H. Weber/Birgit Wenzel (Hrsg.): Handbuch Nationalsozialismus und Holocaust. Historisch-politisches Lernen in Schule und Lehrerbildung. 1. Aufl. Schwalbach am Taunus 2012 (Reihe Politik und Bildung, Bd. 66).
  28. Vgl. http://stats.grok.se/de/latest30/Holocaust. (aufgerufen am 15.07.2013).
  29. Stand: 24. Juli 2013
  30. Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Holocaustdiff=prevoldid=5966605
  31. Vgl. Abbildung 2
  32. Vgl. Robert S. Wistrich: Holocaust denial. The politics of perfidy. Berlin, Boston 2012.
  33. Nutzerseite: http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Schewek; Liste der Änderungen durch Schewek in der Wikipedia, vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:Beitr%C3%A4ge/Schewek
  34. Vgl. das Prinzip der „Gesichteten Versionen“: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Gesichtete_Versionen
  35. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Benutzer_Diskussion:Schewekdirection=prevoldid=88087
  36. Als Folge einer v.a. in der frühen Phase der Artikelentwicklung häufigen Änderung des Artikels im oben beschriebenen Sinne, wurde am 02. März 2004 ein Textbaustein in den Artikel integriert, der später als Hinweis in die artikelbegleitende Diskussion überführt wurde: „Wir möchten die Verleugner des Wir möchten die Verleugner des Holocaust darauf hinweisen, dass das Leugnen dieses Verbrechens an der Menschheit strafbar nach § 130 Abs. 3 StGB ist und die IP-Adressen derer, die diesen Artikel in rechtswidriger Art und Weise verändern, mitgeloggt werden“. Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Holocaustoldid=5966654
  37. Vgl. die persönliche Nutzerseite des Autoren in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Benutzer:Jesusfreundoldid=87735667
  38. Stand: 03. Juli 2013. Vgl. hierzu auch die Übersicht der aktivsten registrierten Autoren der Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Beitragszahlen
  39. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:Beitr%C3%A4ge/Jesusfreund
  40. Vgl. Abbildung 4: Aktivität Jesusfreund
  41. An diesem Punkt können noch keine konkreten Ergebnisse präsentiert, da die Datenerhebung in diesem Bereich noch nicht abgeschlossen ist.
  42. Vgl. hierzu die Übersicht der Veränderungen aller Beiträge von Jesusfreund am 26. Februar 2005 (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Holocaustdiff=5967148oldid=5967113). Jesusfreund verändert den Artikel an diesem Tag in Etappen. Eine zwischenzeitliche Änderung am Artikel durch den Autor Simplicius (http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Simplicius) betrifft lediglich Verlinkungen und wurde in der Auswertung berücksichtigt.
  43. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Holocaust/Archiv/2 Abschnitt „Überarbeitung“
  44. Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Altes_Testamentdiff=nextoldid=4664964
  45. Vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Holocaustdiff=5967148oldid=5967113; hier Zeile 35: „!===Ermordung anderer Opfergruppen, Sinti, Roma, Schwule, Zeugen Jehovas fehlt scheinbar noch – oder gibt es außer für Behinderte schon Extraartikel für sie?===“; auch Zeile 62: „!gehört zum Thema und sollte wenigstens erwähnt werden! Denn Juden werden sonst immer nur als Opfer betrachtet; dabei gab es wenn auch wenige und erfolglose Aufstandsversuche, siehe Warschauer Ghetto und Sobibor oder Partisanenanschläge auf Bahntrassen; wer weiß Genaues?“;
  46. Vgl. Abbildung 5: Verlinkungsstruktur
  47. Vgl. Jakob Krameritsch: Herausforderung Hypertext. Heilserwartung und Potenziale eines Mediums. In: Zeitenblicke 5 (2006), H. 3, 1–25; Jakob Krameritsch: Geschichte(n) im Netzwerk. Hypertext und dessen Potenziale für die Produktion, Repräsentation und Rezeption der historischen Erzählung. Münster ; New York 2007.
  48. Stand 01. Juli 2013
  49. Stand: 27. Juni 2013. Gezählt wurden alle Hyperlinks, also sowohl Links von/auf andere Artikel, als auch Links zu weiteren Seiten der Wikipedia wie Benutzerseiten, Diskussionen, Anleitungen, etc. Die Wikipedia besteht neben den bekannteren Seiten des Artikelraumes aus einer fast unüberschaubaren  Anzahl weiterer Seiten, die für die Administration der Wikipedia genutzt werden.
  50. http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord
  51. http://de.wikipedia.org/wiki/Konvention_%C3%BCber_die_Verh%C3%BCtung_und_Bestrafung_des_V%C3%B6lkermordes
  52. http://de.wikipedia.org/wiki/Vereinte_Nationen
  53. http://de.wikipedia.org/wiki/Mitgliedstaaten_der_Vereinten_Nationen
  54. http://de.wikipedia.org/wiki/Staat
  55. Uwe Wirth: Literatur im Internet. Oder: Wen kümmert’s, wer liest? In: Stefan Münker/Alexander Roesler (Hrsg.): Mythos Internet. 1. Aufl. Frankfurt am Main 1997, S. 287–303.
  56. „Angelegt“ bedeutet hier, dass ein entsprechendes Stichwort im Text enthalten ist. So kann sinnigerweise nur auf einen anderen Artikel per Hyperlink verwiesen werden, wenn sich die Begrifflichkeit, auch wenn diese nur umschrieben wird, im Text wiederfindet.
  57. Vgl. Abbildung 6: Untersuchungsaufbau
  58. Als ein erster Zugang zu den genannten Bereichen kann das Autorenportal der Wikipedia dienen. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Autorenportal